
Gelebte Metamoderne
In meiner Hosentasche steckt ein Dumbphone, ein Handy, das nur SMS und Telefonie kann. Kein Internet, keine Apps, keine Benachrichtigungen. Auf meinem Schreibtisch liegt ein Diktiergerät. Und im Hintergrund läuft eine KI-Assistentin, die meine Sprachnotizen transkribiert, meinen Kalender sortiert und mir hilft, diesen Text zu schreiben.
Ich habe kein Smartphone mehr. Trotzdem ist mein Alltag digitaler durchdrungen als der der meisten Menschen, die ich kenne.
Wie passt das zusammen?
Die kurze Antwort: Es hat mit meinem katholischen Glauben zu tun. Die längere braucht einen Umweg.
Schön und kaputt
Eine der tiefsten Einsichten des Christentums ist, dass die Welt beides zugleich ist: schön und gefallen. Die Schöpfung trägt eine angelegte, unfassbare Schönheit in sich. Wer einmal im Schwarzwald auf einem Bergrücken stand und über die Täler geschaut hat, weiß das. Und gleichzeitig ist diese Welt nicht heil. Sie kann es aus eigener Kraft auch nicht werden.
Das ist kein Pessimismus. Es ist eine Diagnose, die befreit.
Denn wenn die Welt nicht durch uns erlöst werden muss, dann dürfen wir aufhören, sie zu retten. Wir dürfen aufhören, jeder neuen Technologie entweder mit Heilserwartung oder mit Panik zu begegnen. Wir dürfen sie nüchtern betrachten: als Werkzeug. Nicht mehr, nicht weniger.
Zwei Sackgassen
Die eine Sackgasse liegt in der Luft. Man spürt sie, auch wenn man selbst nicht daran glaubt: die Verheißung, dass Technik uns erlösen wird. Dass künstliche Intelligenz unsere Probleme löst, dass wir nur noch die richtigen Knöpfe drücken müssen. Es gibt Menschen, die das mit einem fast religiösen Ernst vertreten.
Das ist Technikutopie. Sie vergisst, dass die Welt gefallen ist. Dass kein Algorithmus das menschliche Herz heilt. Dass Fortschritt und Verfall sich seit jeher die Hand reichen.
Die andere Sackgasse ist die Flucht. Digital Detox als Lifestyle, das Smartphone wegwerfen, aufs Land ziehen, Kerzen statt Bildschirm. Es gibt eine wachsende Bewegung, die in der Technik selbst das Problem sieht und die Lösung im Rückzug sucht.
Das ist Technikflucht. Sie vergisst, dass die Schöpfung schön ist — und zwar nicht nur in ihren Wäldern und Sonnenuntergängen, sondern auch in dem, was der menschliche Geist aus ihr hervorbringt. Auch Technologie ist eine Blüte der Schöpfung. In ihr ist ein Drang zur Entfaltung angelegt, den der Apostel Paulus im Römerbrief so beschreibt: “Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Wehen bis zum heutigen Tag.” Da steckt Bewegung drin; nach vorne, nicht zurück.
Hier stellt sich eine Frage, die mich seit langem umtreibt: Ist diese Bewegung nach vorne — das, was die Wissenschaft Evolution nennt und was die Entwicklungspsychologie in Stufenmodellen beschreibt — dasselbe wie das, was Paulus mit den Wehen meint? Ist der evolutionäre Prozess der Schöpfung identisch mit ihrem Weg zur Erlösung?
Der Jesuitenpater und Paläontologe Pierre Teilhard de Chardin hat im 20. Jahrhundert den mutigsten Versuch unternommen, genau das zu bejahen. Er sah in der gesamten kosmischen Evolution eine Richtung: auf einen Punkt hin, den er Omega nannte und mit Christus gleichsetzte. Die Komplexitätszunahme des Universums, die Entstehung des Lebens, die Entfaltung des menschlichen Bewusstseins — all das war für Teilhard ein einziger Prozess, der auf Gott zuläuft.
Brillant. Und doch hat die Kirche gezögert. Zurecht, denke ich. Denn wenn Erlösung nur der nächste evolutionäre Schritt ist, dann braucht es keine Gnade mehr. Dann schafft die Schöpfung es alleine. Und genau das sagt das Christentum eben nicht.
Ich glaube, die Wahrheit liegt in einem Dazwischen, das ich noch nicht ganz fassen kann: Die Wehen sind real. Die Schöpfung bewegt sich wirklich auf etwas zu. Aber das Kind entbindet sich nicht selbst.
Ein dritter Weg
Der kanadische Kognitionswissenschaftler John Vervaeke hat in seiner Vorlesungsreihe Awakening from the Meaning Crisis beschrieben, was viele von uns spüren: Wir stecken in einer Sinnkrise — und zwar gerade wegen der Errungenschaften der Moderne. Ihre Entzauberung der Welt war ein Befreiungsschlag, aber sie hat einen Preis. Die Postmoderne hat die Reste zertrümmert. Ironie und Zynismus wurden zur Grundhaltung einer ganzen Generation. Nichts ist heilig, alles ist Konstrukt. Meine Generation ist mit den Simpsons und South Park aufgewachsen.
Und dann passiert etwas Merkwürdiges.
Kulturwissenschaftler wie Timotheus Vermeulen und Robin van den Akker beobachten seit einigen Jahren eine Verschiebung. In Kunst, Film und Literatur taucht wieder Tiefe auf — aber eine, die durch die Ironie hindurchgegangen ist. Nicht naive Ernsthaftigkeit, nicht zynische Distanz, sondern beides gleichzeitig: informierte Aufrichtigkeit. Sie nennen das die Metamoderne.
Ich halte den Begriff für hilfreich, weil er beschreibt, was viele spüren, aber nicht benennen können: dass es nach dem großen Entzaubern wieder möglich ist, Dinge ernst zu nehmen. Dass man den Katechismus der Katholischen Kirche lesen kann — und zwar nicht trotz, sondern wegen der Tatsache, dass man die Postmoderne verdaut hat. Dass Tradition und Fortschritt keine Gegensätze sein müssen, wenn man aufhört, sich zwischen ihnen entscheiden zu wollen.
Dumbphone und Diktiergerät
So viel zur Theorie. Aber wie lebt man das? Wenn ich morgens das Haus verlasse, steckt mein Dumbphone in der Tasche. Wer mich anruft oder eine SMS schreibt, erreicht mich. Aber das war’s. Kein Scrollen an der Bushaltestelle, kein Nachrichtencheck an der Ampel, kein reflexhaftes Greifen in die Hosentasche, wenn drei Sekunden lang nichts passiert.
Was es stattdessen gibt: Stille. Langeweile. Den Geruch vom Bäcker nebenan.
Ich merke, wie mein Kopf anders arbeitet, seit das Smartphone weg ist. Gedanken dürfen ausreifen, bevor sie von einer Benachrichtigung zerfetzt werden. Auf dem Weg zur Arbeit ist einfach Ruhe. Der Kopf hat endlich Platz.
Wenn mir unterwegs etwas einfällt, spreche ich es ins Diktiergerät. Abends stecke ich es in den Laptop. Eine KI transkribiert die Aufnahmen, ordnet sie, schlägt vor, was davon eine Notiz werden könnte, was eine Aufgabe, was ein Gedanke für später. Mein Kalender, meine Aufgaben, meine Korrespondenz — das alles läuft im Hintergrund, unsichtbar, leise.
Von außen betrachtet sieht mein Alltag fast altmodisch aus. Von innen ist es das Gegenteil. Im Hintergrund arbeitet eine Infrastruktur, die vor fünf Jahren noch Science-Fiction gewesen wäre.
Dieser Text
Das beste Beispiel steht gerade vor dir. Diesen Artikel habe ich nicht alleine geschrieben — ein Sprachmodell hat mir dabei geholfen. Nicht so, dass ich gesagt hätte: “Schreib mir einen Blogartikel über Metamoderne.” Sondern so, dass ich auf einem Spaziergang drei Sprachnotizen ins Diktiergerät gesprochen habe — teilweise auch unausgegorene Gedanken, ein paar Sätze, Fragen an mich selbst. Die KI hat sie transkribiert. Dann haben wir zusammen den Kern destilliert. Absatz für Absatz, hin und her, bis der Text stand. Wir haben abwechselnd geschrieben und miteinander diskutiert.
Weniger Arbeit ist das nicht. Aber andere Arbeit. Das leere Blatt macht keine Angst mehr, das Finden der richtigen Sätze wird leichter. Dafür wird das Ringen um den Text härter: Stimmt das? Ist das wirklich mein Gedanke? Klingt das nach mir oder nach Maschine? Die freigewordene Energie fließt dorthin, wo sie hingehört — ins Denken.
Und genau hier schließt sich der Kreis. Denn dieses Denken entsteht nicht am Bildschirm. Es entsteht auf dem Weg zur Arbeit, beim Spaziergang, in den Momenten, in denen nichts dazwischenfunkt. Ich spreche manchmal minutenlang ins Diktiergerät — ganze Gedankenstränge, die sich erst beim Aussprechen ordnen. Die KI macht sie lesbar. Aber der Raum, in dem sie entstehen, den schafft das Weglassen des Smartphones; ja eigentlich die ausgehaltene Langeweile.
Ist das noch authentisch?
Ich glaube: ja. So wie ein Gespräch mit einem klugen Freund mein Denken formt, ohne es zu ersetzen. Das Werkzeug verändert den Prozess. Es verändert nicht den Menschen, der es benutzt.
Die Metamoderne entsteht nicht in der Theorie. Sie entsteht im Alltag, leise, dort wo jemand aufhört, sich zwischen Tradition und Fortschritt entscheiden zu wollen — und stattdessen beides zusammenhält. Nicht weil es ein Programm ist, sondern weil die Zeit dafür reif ist.
Die Frage, wie wir mit den Werkzeugen unserer Zeit umgehen, ohne uns von ihnen formen zu lassen, stellt sich jedem. Sie hat keine allgemeine Antwort. Aber sie hat einen Ort: den eigenen Alltag. Den konkreten Versuch, beides zusammenzuhalten — die Stille und die Maschine, den Glauben und das Werkzeug, das Schöne und das Gefallene.
Die Schöpfung ist unterwegs. Wir auch.
Du hast Gedanken zu diesem Text? Schreib mir gerne an felix@urbat.info. Ich freue mich über jeden Austausch. Zuschriften veröffentliche ich nur mit ausdrücklicher Erlaubnis.
Olaf Bechert 22. März 2026
Hallo Felix,
zunächst einmal vielen lieben Dank, das du bereit bist, dich mit mir auszutauschen. Ich finde deinen Beitrag im Blog zum Thema gelebte Metamoderne sehr interessant und auch inspirierend, über daraus entstehende Themen intensiver nachzudenken. Find ich echt toll, dass es Menschen gibt die Lösungen suchen, und auch finden, um die Transformation der Digitalisierung in ich nenne es mal „vernünftige Nutzung” zu unterziehen. Ich sehe in meinem Alltag, beruflich wie auch privat, wie sehr die digitale Krake die Menschen in Beschlag nimmt, und wie diese sich dann Step by Step verändern. Oftmals nicht immer zum Guten. Es lässt Menschen sich in eine digitale Welt zurückziehen, wo sie beeinflusst werden können, auf einer psychischen Ebene das es ihnen nicht auffällt und sie diese Veränderung in der Selbstreflektion nicht feststellen können. Die digitale Krake umschlingt eine Tentakel nach der anderen. Sie zieht die Menschen in ihren Bann, isoliert sie von ihresgleichen. Zurückgezogen in den eigenen vier Wänden, isoliert vom Rest, obwohl im Haus das pralle Leben tobt. Der Hype um Klicks, die Message der digitalen Freunde bei WhatsApp machen die Kommunikation so einfach und wenig tiefgründig. In der Bibel steht der Satz geschrieben „Gehet hin in Frieden!” Ich finde diesen Spruch in unserer heutigen Zeit wichtiger denn je! Aber ich würde ihn im Sinne des Friedens bedingt durch moderne Kommunikation heute mit einem Komma versehen und anfügen: „Gehet hin in Frieden und gehet hin und redet um des Friedens Willen!” Ich glaube so würde ich in der Moderne einen Bibelspruch auslegen wollen.
Was ich faszinierend finde ist die Tatsache das du durch deinen Umgang mit der digitalen und auch KI geprägten Welt es geschafft hast eine sogenannte Plug-In-Funktion zu erschaffen. Gedanken, Ereignisse auf ein Diktiergerät zu sprechen um diese dann über die Sprach-KI in einen Schrift- und Organisationsmodus zu überführen. Ist ein sehr interessanter Ansatz. Ich kann leider die Praktikabilität im Alltag, bezogen auf jeden und seine individuellen Bedürfnisse und Tätigkeiten nicht abschätzen, aber es lohnt sich auf jeden Fall hier gedanklich aktiv zu werden und die Überlegung in wie fern das Konzept einem helfen kann sich sozusagen digital zu cleanen. Denn es ist meines Erachtens heute schon sicher das wir auch im Gesundheitsbereich neue Krankheitsbilder kennenlernen werden, die auf die Digitalisierung, die große Transformation, die Klicks und Apps, die oft hochgepriesene KI, zurückzuführen sind. Der digitale Burnout wird immer stärker kommen und die Geschwindigkeit wird durch KI-Einsatz extrem erhöht. Fahre ich morgens unter der Woche an einer der vielen Bushaltestellen vorbei sehe ich überall das gleiche Bild: Wartende Menschen, Schüler mit Blick nach unten gesenkt schauen auf ihren digitalen Master, genannt Handy, haben noch Ohrstöpsel drin und sind obwohl sie so viele sind, alle nebeneinander stehend, doch für sich und auch alleine. Wieviel lieber wäre mir doch der Anblick von Kindern oder Jugendlichen die mit Dosen kicken, mit Schneebällen im Winter werfend ihren Spaß haben! „Gehet hin und redet, miteinander, schmiedet Banden, Freundschaften, reibt euch aneinander, um einen Platz in der Gemeinschaft zu finden.” Wie glücklich würde ich solch einen Moment wertschätzen, es käme in mir das Gefühl auf, das ist die Freiheit im Kleinen, die ich früher so liebte, und die heute droht zu verschwinden.
Gehet hin in Frieden und redet miteinander um des Friedens Willen! Kommunikation, Sprache, wenn auch unterschiedlich, gibt uns Menschen die Möglichkeit Frieden zu schaffen und ihn auch aufrecht zu erhalten. Der große Vorteil hierbei liegt in der Sprache an sich, dem Wortlaut, der Gestikulation, Mimik und dem Tonfall. All diese Komponenten können dazu beitragen, das durch Reden, Verständnis auf verbale Art durch Argumentation und auch Diskussion geschaffen werden kann. Ich meine hier nicht unbedingt die großen Kriege unserer Zeit, sondern eher die versteckt stattfindenden, fast stillen Kriege gegen die Persönlichkeit, die Sozialverträglichkeit, des Mobbing per Klick. Die vielen daraus entstehenden Konflikte die im zwischenmenschlichen Bereich entstehen weil die Nachricht so wie sie geschrieben steht eben ohne Laut und Tonfall ganz anders bei dem Gegenüber ankommt, und schon nimmt manches Schicksal seinen unschönen Lauf. Und wir wissen es wäre so einfach es zu verhindern, aber die digitale Spirale nimmt ihren Lauf und manchmal denke ich sie hat ihre eigenen geschaffenen Gesetze die logarithmische Züge haben. Aber wir wären ja nicht Mensch wenn wir das nicht noch toppen könnten.
Ich sag mal so: Die KI kann der Menschheit von Nutzen sein, wenn sie die Fähigkeit besäße sie dort einzusetzen wo sie ausschließlich Nutzen für die Gemeinschaft, zur Unterstützung der Freiheit und Demokratie, der Diagnostik und Heilung eingesetzt wird. Von vielem anderen sollte man zunächst einmal warnen und sich die Sache in verschiedenen Richtungen reiflich überlegen.
Ich erinnere mich noch an meine Realschulzeit als ich die Pflichtlektüre zur Abschlussprüfung 1984 von George Orwell lesen musste. Damals dachte ich was für ein abgespacetes Buch, 40 Jahre später denke ich was für ein real Horrorroman. Es ist irre wie sich relativ einfach aus diesem Roman so viel Wahrheit auf das Hier und Jetzt in einer erschreckenden Wirklichkeit übertragen lässt. Das bringt mich auf einen Gedanken, der vielleicht schon etwas angestaubt ist, oder einfach zu viel Mühe macht, weil er das Denken und Auseinandersetzen mit Thematiken fordert und schmerzhafterweise Wissen vermittelt, was uns vermutlich ChatGPT nicht geben kann. Und das gute Gefühl etwas sinnhaftig Tolles getan zu haben auch nicht. Wie würde das in meinem Gehet-hin-Satz aussehen?
Vielleicht so: „Gehet hin und leset die Weisen alter Philosophen, Schriftsteller, beschäftigt euch auch mit den Philosophen und Schriftstellern der Neuzeit. Nehmt ihre Weisheit auf, und pflegt sie, denn sie kann ihre Wurzeln in vielerlei Kulturen haben.” Einfacher ausgedrückt: „Gehet hin, leset Bücher und denkt!”
Und hier kommt es oftmals zu einem digitalen Neuzeit-Tool genannt KI/AI. Was uns Menschen zum Problem werden kann, wenn wir den Ansatz und den Gebrauch falsch ein- und abschätzen. Das KI-Thema ist riesig, ja unglaublich prägend und selbstverständlich auch sehr verändernd. Es bringt uns oftmals einfacher an Lösungen, aber nicht unbedingt immer auf den richtigen Weg. Wie meine ich das? Nun aus beruflichen Gründen musste ich mich vor Jahren schon mit der KI beschäftigen und stand ihr sehr lange etwas kritisch gegenüber. Bis mir auffiel dass wir als Menschen und Gesellschaft nicht unbedingt so sehr geeignet sind für eine KI, wie vielleicht in der Umkehrfunktion die KI für uns. Die KI kann uns im Gesundheitswesen im Bereich Diagnostik, bildgebende Verfahren, Operationsrobotik ein wirklich großer Fortschritt sein, neudeutsch Gamechanger. Auch in der Meteorologie, Geologie, Labortechnik, Arbeiten in absolut gefährlichen Bereichen, Luft- und Raumfahrttechnik, Seefahrt, Energie- und Umwelttechnik kann uns der Einsatz von KI enorm helfen. Hier ist die KI mit Sicherheit das Richtige! Aber? Ja es gibt ein großes ABER. Die KI entbindet uns nicht von zwei wesentlichen Dingen. Sie entbindet uns nicht vom Denken und von Verantwortung.
Wenn ich in meinem beruflichen Umfeld schaue fallen mir hier einfach grundlegende Fehler auf. Fachkräftemangel soll behoben werden durch KI. Aha denke ich, interessant, aber wie soll das funktionieren mit einem automatisch generierten System das nur, ich sage mal, eindimensional arbeiten kann? Es gibt in meinem Beruf als Beispiel Dinge die eine KI aufgrund der Fülle an Möglichkeiten und komplex zusammenhängende prozesstechnische oder global logistische Gegebenheiten nicht zuordnen oder auswerten kann. Warum? Weil es ihr an langzeitlicher Erfahrung fehlt, die Flexibilität und das Wissen von möglichen Prozessänderungen mit den Folgen der Einflussnahme auf den Prozess nicht abgebildet werden kann. Des Weiteren kennt die KI kein Bauchgefühl für die Bekräftigung einer Entscheidung und sie ist nicht in der Lage vernetzt zu denken! Und Denken ist mein Punkt, den ich wie gewohnt wieder in einen Spruch wandeln möchte: „Gehet hin, nehmt all eure Erfahrung, eure Intuition, beachtet ethische Grundsätze und denket!” Was ein frommer Wunsch. Nehmt nicht ChatGPT, ihr könnt so viel mehr und ihr könnt alle so viel mehr Bereicherung für alle sein. Wenn ich Texte schreibe oder Wirtschaftsberichte mit entsprechend 50-seitigen Präsentationen, so habe ich bisher noch nie eine KI dazu bemüht. Weil ich immer das Gefühl habe, sie gibt das nicht so wieder wie ich. Ich habe immer das Gefühl das bin ich nicht, und wie du siehst habe ich manchmal einen komplexen Satzbau! Sorry dafür!
KI wird unsere Zukunft bestimmen, allerdings wären Regeln und Prinzipien wichtig um für die Menschheit aus der KI heraus einen Fortschritt zu erschaffen. Dies gilt insbesondere für junge Generationen: Lernet Denken, lernet Struktur, lernet Anstand und Redlichkeit, seid weltoffen aber nicht leichtgläubig, nehmt bei Entscheidungen eure Intuition mit und sehet die Freiheit als wertvolles Gut einer Gesellschaft. Wenn ihr das beherrscht dann kann KI/AI für euch eine Unterstützung sein, mehr aber auch nicht! KI = Unterstützung des 21. Jahrhunderts, aber kein Alone-Standing-Modell!
Daher finde ich deinen Ansatz mit dem Hybrid-Plug-In-Modell so interessant. Man sollte es in die Welt hinaustragen und lehren!
Liebe Grüße, dein Olaf